Zwischen Brunftgeruch und majestätischen Stimmen

 

Im Herbst besteht in manchen Gegenden Deutschlands die Gelegenheit ein faszinierendes Naturerlebnis bei Tage zu erleben: Das eindrucksvolle Schauspiel der Brunft unseres größten heimischen Wildes - des Rotwildes.

 

Als begeisterter Naturfotograf ist dies natürlich eine Zeit mit wenig Schlaf und langen Aufenthalten im Lebensraum dieses edlen Wildes. Das Rotwild, das eigentlich eine Art der offenen und halboffenen Landschaft ist, wurde teilweise in Waldbiotope vertrieben in denen es nicht immer leicht anzutreffen und noch schwieriger zu fotografieren ist.

 

An dieser Stelle bedanke ich mich bei all jenen, die mir zur Brunft 2020 in unterschiedlichsten Regionen Deutschlands die nachfolgenden Wildlife-Aufnahmen ermöglichten.

Die Brunft bzw. Paarungszeit beginnt je nach Region und Klima zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten. Sie erstreckt sich vom Flachland in dem sie Anfang September beginnt bis zu ihrem Ende Mitte Oktober im Hochgebirge.

 

Grundsätzlich lebt das männliche und weibliche Rotwild in unterschiedlichen Sozialstrukturen (sog. Kahlwild-, Hirschrudel). Die Kahlwildrudel werden von einem erfahrenen Alttier geführt und bestehen aus weiblichen Tieren, deren Kälbern sowie gelegentlich jungen Hirschen. Die instabileren Hirschrudel lösen sich Anfang August auf - es entsteht eine gewisse Unruhe und Aggressivität gegenüber den ehemaligen Rudelgenossen, die langsam zu Rivalen werden.

 

Die Hirsche fangen an in Richtung der angestammten Brunftplätze zu ziehen in denen sich das weibliche Wild bevorzugt aufhält. Das können je nach Lebensraum zum Beispiel alte Eichen- oder Kastanienbestände sein, in denen im Herbst Nahrung in Überfluss vorhanden ist. Auch wenn in der Brunft ein imposanter Hirsch beim Kahlwild steht, so hat doch immer die Führung dieses Brunftrudels ein erfahrenes Weibchen - der Hirsch versucht lediglich "sein Harem" zusammen zu halten und folgt diesem.

 

Hirsche die einen Platz dominieren zeigen ein deutliches Territorialverhalten als Platzhirsch. Er beginnt etwa mit den Vorderläufen und dem Geweih Bodenvertiefungen zu schlagen - in diese uriniert er und beginnt anschließend sich in der Hinterlassenschaft zu wälzen. So bildet sich ein strenger Brunftgeruch. Dieser ist mitunter auch für Menschen über 80 bis 100 Meter zu riechen und soll den Hirsch für die weiblichen Tiere interessant machen. Weiterhin werden kleine Stämme und Büsche mit dem Geweih bearbeitet (das Schlagen) und mit Duftsekreten aus den Vorderaugendrüsen markiert.

 

Ein akustisches Signal ist das sogenannte Röhren bei dem der Platzhirsch etwaigen Kontrahenten seinen Anspruch auf den jeweiligen Brunftplatz verdeutlicht. Im Gegenzug beginnen diese Hirsche zu Antworten und es entsteht das Konzert der majestätischen Stimmen des Waldes. Ebenso entstehen Lautäußerungen beim Zurücktreiben und Zusammenhalten des Kahlwildes. Und doch zeigt die Erfahrung vieler Rotwildkenner, je älter ein Hirsch wird, umso weniger Laute gibt er während der Brunft von sich und wird so heimlicher.

 

Andere Hirsche versuchen natürlich den Brunftplatz bzw. das Kahlwild dem Platzhirsch abspenstig zu machen und dieses selbst zu beschlagen. Sofern die Widersacher nicht vom Gehabe des dominanten Männchens abgeschreckt werden, kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen bei denen sich die Rivalen frontal hin und her schieben. Bei diesen Brunftkämpfen entstehen mitunter starke Verletzungen oder es kommt zu brechenden Geweihenden. Solche teils tödlichen Forkelverletzungen können von einfachen Schrammen über ein ausgestochenes Auge bis hin zu tiefen Stichen in der Lunge reichen. Auch verhaken sich manchmal die Geweihe derart, sodass sich diese nicht mehr trennen lassen, was ein dramatisches Ende für beide Raufbolde bedeutet.

 

Der Platzhirsch verliert im Verlauf der Brunft seine Vormachtstellung. Dies liegt insbesondere an der zu dieser Zeit eingeschränkten Nahrungsaufnahme und dem damit einhergehenden Gewichtsverlust von bis zu 25%. Die Verteidigung und das Zusammenhalten des Brunftrudels, der Beschlag sowie das beschriebene Dominanzgebaren führen zu einem raschen Energieverbrauch in dieser Zeit. Die weiblichen Tiere sind nur wenige Tage brunftig und werden in dieser Zeit mehrmals hintereinander gedeckt. Im Mai oder Juni werden die in der Brunft entstandenen Kälber geboren.


Kommentare: 8
  • #8

    Torsten W. (Mittwoch, 21 Oktober 2020 22:53)

    Hallo Marco,
    wieder ein sehr gelungener Beitrag. Habe ihn mit Begeisterung mehrmals gelesen.
    Die Fotos wieder super.
    Da hattest Du eine aufregende Zeit so nah am Rotwild.
    Freue mich auf Deinen nächsten Beitrag.

    Wmh Torsten

  • #7

    Walter (Montag, 19 Oktober 2020 15:35)

    Lieber Marco, das sind sehr beeindruckende Fotos - Stimmung kommt perfekt herüber - muss ein besonderes Erlebnis gewesen sein!!! Text vervollständigt den tollen Blog - herzliche Gratulation!!! LieGrü W

  • #6

    Ecki (Mittwoch, 14 Oktober 2020 19:15)

    Exclusiv gelungene Bilder der Anblick erfreut das Herz des Naturliebhabers...

  • #5

    Wolfgang Bentheim (Montag, 12 Oktober 2020 21:49)

    Servus Marco,
    also ich muss schon sagen das es fantastische Aufnahmen sind und man sich dadurch so richtig in die Brunft hinein versetzen kann!
    Der Artikel dazu ist sehr gut geschrieben und informativ.
    Wirklich gelungen, weiter machen so.
    Weidmannsheil

  • #4

    Karlheinz Schlozer (Sonntag, 11 Oktober 2020 12:49)

    Hallo Marco,
    vielen Dank für die tollen Bilder. Es ist und war was ganz besonderes "meinen" Hirsch nochmals so erleben zu dürfen. Zumal er ja auch in Deiner Fotogalerie quasi im Mittelpunkt steht... :-) Dein Artikel ist sehr informativ für Jäger und Sammler.

    Viele Grüße und Waidmannsheil aus dem Markgräfler Land.
    Karlheinz

  • #3

    Ute Jacob (Sonntag, 11 Oktober 2020 12:11)

    Lieber Marco,
    wunderschöne Fotos und wieder was gelernt. Du schaffst es immer wieder, einen an die Schönheit unserer Natur heranzuführen!

  • #2

    Uwe (Sonntag, 11 Oktober 2020 11:46)

    Hallo Marco,

    das sind sehr schöne Bilder. Ich habe gehört, daß Du den K. getroffen hast und Du seinen Hirsch fotografiert hast. Das war für ihn eine riesen Freude.

    Herzliche Grüße aus Rümmingen

    Uwe

  • #1

    Sven Pöpping (Sonntag, 11 Oktober 2020 11:13)

    Sehr schöne Bilder und ein interessanter Artikel, Klasse!